Zitat vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm

Seefahrt und Handlung (Handel) sind die fürnehmsten Säulen eines Etats (Staats), wodurch die Untertanen beides zu Wasser, als auch die Manufakturen zu Lande ihre Nahrung und Unterhaltung erlangen. 

 

 

 

Der große Kurfürst

Seit der Kurfürst Holland kennt, liebt er die Flotte und die Ozeane. Und seit er Kurfürst ist, versucht er, einen eigenen Hafen zu gewinnen. Bei der Suche nach neuen Einnahmequellen entwickelt er Phantasie. Der Berliner Schiffbauerdamm erinnert an die Anfänge seiner Welthandelspolitik. Hier werden die ersten Schiffe gebaut, mit denen die Brandenburger die Weltmeere erobern wollen.

Später entstehen kriegstüchtige Fregatten in Havelberg, Pillau und Kolberg.

Aber die Mark Brandenburg hat keinen Hafen.

So gelangen brandenburgische Schiffe über die Elbe und Hamburg in die Weltmeere.

 

Landung des Großen Kurfürsten auf Rügen

 

1680 wird die spanische Fregatte "Carolus Secundus" vor Ostende von Brandenburgern gekapert. Die erbeuteten Brabanter Spitzen bringen 97 000 Taler. Das Schiff wird umgetauft und läuft fortan unter dem Namen "Markgraf von Brandenburg" als Flaggschiff der brandenburgischen Marine, die im Laufe der Jahre auf 34 Schiffe anwächst.

Ab 1660 versucht der Große Kurfürst über Handelsschiffe Gewinne zu erzielen und Kontakte herzustellen. Dazu ließ er in Holland zwei Schiffe bauen: die "Herzogtum Cleve" und die "Grafschaft Mark", die jedoch von England gekapert wurden.

Seit 1675 erfolgte der Bau von Kriegsschiffen (Orlogschiffe).

 

Offiziell wurde die Brandenburgische - Preußische Marine erst am 1. Oktober 1684 vom Großen Kurfürsten gegründet.

Die 1683 an der Westküste Guineas gegründete Festung Friedrichsburg ist Stützpunkt für den brandenburgischen Sklavenhandel. 2000 bis 3000 schwarze Sklaven werden pro Jahr gewinnbringend in der Karibik verkauft. Schätzungen besagen, daß Brandenburg in 17 Jahren rund 30.000 Sklaven verkauft hat. So verläßt am 23. Mai 1693 die Fregatte "Friedrich Wilhelm zu Pferde" mit etwa 700 Sklaven an Bord die Insel Sao Tome. Am 15. Juli trifft sie mit 661 noch lebenden Sklaven vor Puerto Rico ein. Bis zum 23. Oktober werden alle Sklaven verkauft. Auf dem Rückweg lädt die Fregatte Kakao, diesen tauscht sie in Cadiz gegen spanischen Wein, der in anderen europäischen Häfen wieder verkauft wird. Für einen geringen Teil des Erlöses werden Billigwaren gekauft, die in Afrika erneut gegen Sklaven eingetauscht werden. Die Rendite dieses Dreieckhandels beträgt mitunter 300 bis 400 Prozent.

Dennoch sind die Verluste größer als die Einnahmen. Denn nicht alle Schiffe erreichen ihr Ziel. Es wird auch berichtet, dass Sklaven Schiffe erobert hatten, denn die Brandenburger Seeleute fühlten sich nicht unbedingt als Soldaten und Sklavenwächter. Die neuen Besitzer der Schiffe konnten mit diesen jedoch nicht umgehen, so dass sich ihre Spur verliert.

Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. starb 1688. Sein Nachfolger wurde der spätere König Friedrich I in Preußen. Dieser führte die Flotte und die Handelscompanie aus Pietät vor dem verstorbenen Vater fort. Sein Hauptinteresse galt jedoch einer aufwendigen Hofhaltung nach französischem Vorbild. Der Schuldenberg stieg. Entsprechend verfiel die Flotte schnell und 1701 segelten nur noch elf Kriegsschiffe unter brandenburgischer Flagge (von einstmals 34 Schiffen1684).

Der Vorläufer unseres Schiffes war zum Glück nie an derartigem Sklavenhandel oder anderen kriegerischen Aktionen beteiligt. Es diente reiner Repräsentation. 

 

 

Auf diesem Bild des holländischen Malers Lieve Verschuier, zu sehen im Schloßmuseum Oranienburg, sind alle Schiffe der damaligen Kurbrandenburgischen Marine dargestellt. In der Bildmitte die "Goldene Yacht" , das Vorbild für unseren Nachbau als Statenyacht "Sehnsucht".

Weitere Schiffe der Preußen waren

- die Fleute "Friede", 1682 auf der kurfürstlichen Werft in Berlin gebaut

- die Fleute "Derfflinger", für den Kurfürsten aufgekauft

- die Fregatte "Friedrich Wilhelm zu Pferde", 1681 auf der Werft in Pillau von Peckelhering gebaut, 160 Mann Besatzung, im Kriegsfall bis 250 Mann.

Friedrich I. liebte eine ausschweifende Hofhaltung. Dazu dienten auch "Lustschiffe" auf den Berliner Gewässern. Unsere "goldene" Yacht war für diesen Dienst abgestellt und segelte um 1700 herum auf Spree und Dame. 

1711 wurde die Flotte durch Friedrich I. zusammen mit der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie aufgelöst. Er selbst starb 1713. Sein Sohn Friedrich Wilhelm I (der "Soldatenkönig") hatte als sparsamer Mensch kein Interesse mehr an Marineabenteuern von Preußen. 

Das war dann auch das Ende unserer "Goldenen" Yacht. Sie wurde vermutlich 1721 in Emden abgewrackt.

 

Quelle u.a. Doku "Die Brandenburger, Chronik einer Landes" des RBB, 1998