Die "Große Yacht", auch "Goldene Yacht" genannt, wurde in den Jahren 1678 - 1679 von G.C.Peckelhering in Kolberg gebaut. Als Vorbild diente die seegehende Yacht des Prinzen Wilhelm III. von Oranien.

Dieses Schiff hatte in Oranienburg zwei Vorgänger. Daniel Davids aus Utrecht baute 1651 in Bötzow zwei kleine Jachten, für den Kurfürsten und für seine Gemahlin Luise Henriette. Über diese Boote ist leider überhaupt nichts bekannt.

Der Begriff "Staatsyacht" für unsere "Sehnsucht" ist irreführend, denn Staaten im heutigen Sinne gab es damals nicht. Unter "Statenyacht" verstand man einen Schiffstyp, der damals in Holland entwickelt und über einen längeren Zeitraum fast unverändert von drei Werften gebaut wurde. Allen gemeinsam waren neben der Bauart als Plattbodenschiff die Holzschnitzereien. Für die Herstellung der 12 Figuren pro Schiff war eine zentrale Werkstatt in Holland zuständig.

Original Baupläne konnte man in den Archiven nicht finden. Herr Peckelhering hat, wie sein Vater, "aus dem Kopf" gebaut.

Die Länge betrug 70 (nach anderen Angaben 72) Fuß, die Breite 21 und der Tiefgang 5 1/2 Fuß                              (1 Amsterdamer Fuß = 28,3 cm). Sie hatte 8 Stückpforten, also Kanonenluken, und führte im Jahre 1683                   6 Dreipfünder an Bord.

12 Mann bildeten die Friedensbesatzung, im Kriegsfalle waren 50 Mann Besatzung vorgesehen.

Die Yacht war ein guter Segler. Ab 1680 war sie in Pillau stationiert. 1693 segelte sie nach Amsterdam und dem Niederrhein. 1694 ging die Reise von Emden aus mit dem brandenburgischen Gesandten Freiherrn Thomas von Dankelmann an Bord nach London. Seit dem Ende der neunziger Jahre bis 1700 war sie in Berlin, dann wieder in Emden stationiert, wo sie 1721, also nach 41 Dienstjahren,  abgewrackt wurde. Dies war eine lange Zeit, durchschnittlich wurden die Schiffe in der Ostindienfahrt nur 12 Jahre , bei sehr gutem Holz und sauberster Verarbeitung 15 Jahre alt.

 

Über die Biographie speziell unseres Schiffes und der anderen Schiffe der Kurbrandenburgischen Marine ist bisher wenig bekannt. Aus einer Unterlage des Geheimen preußischen Staatsarchivs in Berlin Dahlem geht lediglich hervor, das die "Churfürstliche Yacht" 1680 in Pillau ausgerüstet wurde, offensichtlich ohne Bezahlung. Denn die "Credit"-Seite weist keine Summe aus. Ein Geschenk des Herrn Raule an den Großen Kurfürsten?

 

 

  Dieser Benjamin Raule, ein holländischer Kaufmann und Schiffsreeder, bot Friedrich Wilhelm 1675 seine Dienste an und seine 10 ihm gehörenden Fregatten fuhren fortan unter brandenburgischer Flagge. 1680 verfügte er bereits über 28 Schiffe, darunter einer Yacht ähnlich der "Churfürstlichen Yacht". Er wird als die Seele des damaligen maritimen Aufschwunges bezeichnet. "Ohne diesen beweglichen Mann ist die kühne Kolonialpolitik Friedrich Wilhelms gar nicht zu denken"(Hermann von Petersdorf).

 

Friedrich Wilhelm revanchierte sich bei ihm u.a. mit einem verantwortlichen Posten in der brandenburgischen Marine. Auch das Schloß Friedrichsfelde im Tierpark Berlin war sein Eigentum. Die Werft am Berliner Schiffbauerdamm und in Havelberg entstand ebenfalls auf seine Initiative.

Raul ließ den Hafen Pillau ausbauen, errichtete dort Werften und forcierte den Schiffbau.

Auf seine Initiative hin fuhren Schiffe nach Guinea an der Westküste Afrikas. Ihre Aufgabe: den Roten Adler an Afrikas Küste seßhaft zu machen.

Nach dem Tode des Großen Kurfürsten 1688 fand sich für Raule keine Aufgabe mehr. Er mußte seinen Dienst aufgeben. Wegen undurchsichtiger Geschäfte wurde ihm der Prozeß gemacht. Er saß 3 Jahre in der Zitadelle Spandau ein und starb völlig verarmt in Hamburg.

Ein 150-Fuß-Schiff wurde übrigens damals in Holland von 30 bis 40 Arbeitern in 6 Monaten erbaut. Das war doppelt so schnell wie der Schiffbau in England oder Spanien.

Die Kosten beliefen sich auf 120 - 150 Tausend Gulden, 1/6 davon waren die Lohnkosten.

Unsere "Sehnsucht" ist ein Schiff von 70 Fuß. Also rechnen wir mit der Hälfte der Kosten und Bauzeit. Aber wer hat das Geld locker gemacht? Auch darauf haben wir noch keine Antwort.

Es war die Zeit der Ostindienfahrer. Derartige Fahrten hat der Große Kurfürst jedoch zum Glück nie durchgeführt.